Die Beschuldigungen gehen weiter. Unter anderem bezichtige ich die Welt inzwischen groben Ungehorsams, weil sie mich und dich und überhaupt alle eine schrecklichen System unterwirft. Wir sind gefangen in unserer Multioptionalität. Oder zumindest Gefangene der Möglichkeiten, die wir meinen zu haben. Wir schwelgen immer noch im post-Abitur-Gefühl, überlegen auch morgen noch, was eigentlich aus uns werden soll, und diskutieren viel zu oft im Kopf unseren eigenen Egoismus durch. Formgeworden im Lebenslauf. Das Problem: Es gibt gar nicht viele Möglichkeiten, noch weniger Arbeit die ordentlich bezahlt wird, und selbst dann ist es manchmal noch schwierig eine ordentliche Wohnung zu finden und ab und zu auf ein gutes Konzert zu gehen. Trotzdem, irgendwie hält das keinen vom Drang zur Ego-Perfektion ab: Wir verbringen unseren Tag damit, über unsere eigene Selbstoptimierung nachzudenken. Die Arbeit, der Erfolg, die Anerkennung durch andere. Das ist wichtig. Das zählt. Das sind die kleinen, bunten Kugeln, die wir auf dem Rechenspiel in unsere Richtung schieben. 

Und während wir nebenher Bio-Essen einkaufen, für eine gerechte Gestaltung der Globalisierung kämpfen und uns online gegen den Überwachungsstaat engagieren, vergessen wir, uns um uns selbst zu kümmern. In unserem Ego-Trip haben wir verlernt, richtig egoistisch zu sein, auf den Tisch zu hauen und das laut raus zu schreien, was wir wollen. Stattdessen betäuben wir uns – nachdem wir nicht bekommen haben, was wir wollten – mit derselben Scheiße und hoffen, dass es irgendwann vorbei geht.

Aber wie lange dauert es, bis die Liebe vorbei geht?

 

Ich fürchte, das dauert mir zu lange.