In den vergangenen zwei Wochen konnte ich erfahren, wie viel schneller die Prozesse laufen, wenn bei der Fernbeziehung das FERN wegbricht. Ich möchte verschiedene Punkte aufzählen:

- Alltag. Eigentlich Feind jeder Partnerschaft. Ich aber habe ihn herbeigesehnt wie nichts anderes. Weil ich dich endlich mal wieder so um mich haben wollte, wie du doch eigentlich bist. Ohne strenges Freizeitprogramm, weil man sich nur für ein kurzes Wochenende sieht. Jetzt hat er viel schneller Einzug gehalten, als ich wollte, und wir hüpfen morgens ohne ein Wort zu sagen aus dem Bett. Romantik, ja, Romantik? Wie jetzt?

- Arbeit. Vollkommen klar, dass ich mich um den Haushalt kümmere, schließlich habe ich gerade mehr Zeit dafür als du. Vollkommen doof aber, dass ich das Gefühl nicht loswerde, es unbemerkt zu tun. Hey, muss ich dich jetzt darauf hinweisen, dass ich heute schon das Waschbecken geputzt habe? Oder wird diese Szene noch öfter vorkommen: Du stehst am Fenster, lässt den Blick über den Holzboden streifen und sagst: Krass oder, die Wohnung staubt gar nicht ein. Wahnsinn. Weil ein Heinzelmännchen den Besen entdeckt hat. Was ist der Ausweg? Ausdiskutieren und Vorschriften aufstellen? Nicht mehr wischen und weiterärgern, weil du es auch nicht machst? Es ist noch seltsamer als in der WG. Ich merke plötzlich, dass ich mit einem Macho zusammen bin.

- Langeweile. Die Menschen, die ich in Brüssel kenne und mag, kann ich momentan an einer Hand abzählen. Daher konzentriere ich mich auf dich. Und fühle mich dabei wie eine unselbständige Klette. Nie ein guter Look, meiner Meinung nach.

Ich bin an diesem Ort nicht ich selbst, sondern ein Anhängsel von dir. Und das steht mir nicht.